Rohholz – Gewinnung und Holzschutz

Der Prozeß der Rohholz – Gewinnung schließt sich direkt an die Forstung an. Die technologische “ Grenze “ ist das Fällen (also der Einschlag) des Baumes.

Logistisch gesehen gliedert sich die Rohholzgewinnung in drei Phasen : Ernte (Einschlag) – Rücken (Verschleppen vom Einschlagort zu einem vorläufigen Lagerort) – Transport (Beförderung zum Käufer).

Die zentrale Frage ist hier in Hinsicht des Holzschutzes, wie eine Holzentwertung vermieden werden kann.

Prinzipiell ist es so, dass eine Holzentwertung durch Pilzbefall auf dem Lagerplatz dann vermieden werden kann, wenn entweder das Holz sehr feucht (über u= 100 %) oder unter dem Fasersättigungspunkt von ca. 30 % gelagert wird.

Innerhalb dieses Grobablaufes ergeben sich jedoch vielfältige technologische und wirtschaftliche Konflikte, die allesamt eine Holzentwertung verursachen können. Einige dieser Konflikte sind:

  • mehrmalige Zwischenlagerung – Holzpreis niedrig daher Bezahlungsaufschub und kein Abtransport
  • eine verzögerte Losübernahme durch die Industrie – Holz bestellt aber nicht abgeholt
  • Sparzwänge beim Abtransport: Nasses Holz ist schwerer. Die Industrie minimiert gern Transportaufwände, d.h. der LKW ist per Tonnage voll und Holz bleibt bis zum nächsten Transporttermin liegen.

Hieraus entstehen ernste Gefahren in holzschutztechnischer Sicht für das lagernde Rundholz:

  • Rißbildung
  • Verfärbung
  • Insekten-und Pilzbefall (siehe Bild unten)
  • Holzfäulen

In der Konsequenz ergibt sich zunächst der Versuch, das Holz qualitätserhaltend zu lagern. Allerdings gelingt dies aufgrund der oben genannten Konflikte nur selten in der Praxis umsetzbar. Maßnahmen dazu sind:

  • Optimierung der Lage des Lagerplatzes (trocken, an Transportstraße)
  • Berücksichtigung des Aktionsradiusses eines Kranes
  • Holzpolter jeweils nur für einen Transport- LKW
  • Vermeidung von Querschnittsrissen: S-Haken, Einschlagringe, Bandagen usw.

Das reicht jedoch eben in der Praxis nicht aus – weswegen spezielle Lagerstrategien nötig sind.

Diese Lagerstrategien sind zusammenfassend:

  1. Lebendlagerung: Vitalität und Abwehr sollen erhalten bleiben. Geeignet für BU, EI, KI, FI
  2. Trocken in Rinde: geeignet nur für KI, FI und wenn sichergestellt ist, das Polter sich im Schatten befindet. Es folgt eine milde Trocknung; nur für Wintereinschlag. Maximale Lagerung 1 Jahr (siehe Bilder unten – das war wohl länger!)
  3. Nasslagerung: (geeignet für BU, FI, KI, EI, TA). Dazu sind geeignete Gewässer nötig. Die Lagerung ist über mehrere Jahre möglich, jedoch stellen sich Verfärbungen ein und die Lackaufnahme ist auch nach einer Verarbeitung dauerhaft eingeschränkt.
  4. Beregnung: (BU, FI, KI, TA) erprobt und durchaus mehrjährig möglich. Allerdings: Verfärbungen, Bakterienbefall, Hallimaschpilze
  5. Trocken ohne Rinde: (DU, FI, LÄ, KI…) nur gesundes Holz und entrindet. Voraussetzung: Witterungsdach und keine direkte Sonne. Steht in Konkurrenz zur technischen Trocknung. Mitunter wird von Sägewerken dieses Verfahren modifiziert: beschleunigte Trocknung. Vorteil: Holz dann „halbtrocken“.

Hier einige Bilder.

Befall durch Insekten

Befall durch Insekten (c) Meinhard Böhm

Befall durch holzschädigende Pilze

Befall durch holzschädigende Pilze (c) Meinhard Böhm

 

Forstwirtschaft, Holzschäden und Holzschutz

Echter Zunderschwamm

Echter Zunderschwamm (Fomes fomentarius) an einer Schwarzerle (Alnus glutinosa)

Der Holzschutz fängt in der Waldbewirtschaftung an. Wir gewinnen aus unseren einheimischen Wäldern folgende Holzarten: zu 41 % Fichte, zu 27 % Kiefer, zu 8 % Weichlaubholz, zu 7 % Eiche, zu 5 % Buche (Quelle: Dipl.-Forsting. Schröder, Tharandt).

Eine fachgerechte Forstung bedeutet, dass hochqualitatives Holz an die folgenden Verarbeitungsschritte geliefert wird.

Historisch hat Heinrich Cotta einen großen Anteil daran, dass die Wissenschaft in den Forstbetrieb einzog. Er lebte von 1763 bis 1844 und verfasste die klassische Holzbauregel: „Früh-Mäßig-Oft“. Das Prinzip des Holzschlagens gegen die Hauptwindrichtung und die Einführung der Begriffe „Nieder- Mittel- und Hochwald“ sind auch auf ihn zurückzuführen. Vgl. Wikipedia: Heinrich Cotta.

Zunächst ist es wichtig, die Funktion des Waldes zu kennen:

Der Wald hat positiven Einfluss auf:

  • den Boden: Der Boden wird gefestigt
  • das (Grund-)Wasser: Schutz des Grund-und Oberflächenwassers; Hochwasserschutz
  • die Luft: Absorption von Verunreinigungen, Luftaufwertung, Klimaaufwertung
  • die Natur: Lebensraum für Tiere und Pflanzen
  • die Landschaft: optischer Sichtschutz, Beitrag zur Artenvielfalt, landschaftsbildend
  • die Kultur: Prägung erhaltenswerter Kulturlandschaften
  • die Erholung des Menschen: physiologische / psychologische Aspekte

Unter Beachtung der kulturell positiven Einflüsse des Waldes sind nun in Hinsicht auf die wirtschaftliche Nutzung einige zusätzliche Aspekte von Belang, die verhindern sollen, dass unser Kulturgut „Wald“ an Wert hinsichtlich der Nutzung verliert.

Die Faktoren der Holzentwertung im Bereich der Forstwirtschaft und damit im Bereich des frühzeitigen Holzschutzes sind zum Beispiel:

  • fehlende Wuchsoptimierung durch nicht standortgerechte Forstung: Im schlimmsten Fall werden Bäume geforstet, die eine Konkurenz bilden. Beispiel: einheimische Weißeiche gegenüber eingeführter Roteiche
  • Wildfraßschäden und Vermeidung dieser auf biologischem, chemischem oder mechanischem Weg
  • Vermeidung von Holzschäden durch maschinelle Bewirtschaftung (Wurzel-, Stamm- und Abgasschäden)
  • Maßnahmen der fachgerechten Schaftausdunklung, um hochwertiges Holz zu erhalten

Der Holzschutz beginnt somit schon im Forst.

Forsten

Kiefernwald in Brandenburg bei Baruth (c) Meinhard Böhm